Erbach an der Donau: Wo Geschichte lebendig wird.

Erbach ist mehr als nur ein Ort – es ist ein Geschichtsbuch, das seine Seiten über Jahrtausende hinweg geschrieben hat. Von den geheimnisvollen Spuren unserer frühesten Vorfahren bis zu den prägenden Ereignissen, die den Charakter unserer Stadt formten, laden wir Sie ein, die faszinierende Vergangenheit Erbachs zu entdecken. Tauchen Sie ein in eine Historie, die nicht nur erzählt, sondern erlebt werden kann.

Vorchristliche Geheimnisse und Römische Wächter

Erbach und seine reizvolle Umgebung blicken auf eine erstaunlich lange Siedlungsgeschichte zurück. Bereits in der Jungsteinzeit und Bronzezeit blühte hier menschliches Leben, wovon eindrucksvolle Überreste südwestlich von Ringingen zeugen.

Ein Highlight dieser frühen Epoche ist zweifellos das im Schlossmuseum Erbach ausgestellte keltische Bronzeschwert aus der Zeit um 600 v. Chr. Es erzählt von einer hochentwickelten Kultur, deren Spuren sich in der Region mannigfach finden: Eine nahezu vollständig erhaltene keltische Viereckschanze sowie zahlreiche Grabhügel bei Erbach, Dellmensingen, Ersingen und Ringingen laden zum Staunen ein.

Die strategisch günstige Lage Erbachs war auch den Römern nicht verborgen geblieben. Schon vor ihrer Ankunft war dies eine bedeutende Region. Funde aus dem Jahr 1821 – ein römisches Gebäude und ein Gräberfeld in der „Unteren Halde“ – belegen die römische Präsenz. Die antiken Verkehrswege rund um Erbach wurden einst von einem „ture zu Elerbach“ (erstmals 1348 urkundlich erwähnt) überwacht – einem einst römischen Turm auf dem Schlossberg. Dieser stand in direkter Sichtverbindung zu weiteren römischen Türmen auf dem Ulmer Kuhberg und dem Kastell Rißtissen, was die Bedeutung Erbachs als Teil der römischen Infrastruktur unterstreicht.

Eine Urpfarrei entsteht: Erbachs Aufstieg im Mittelalter

Mit dem Ende der Antike betritt Erbach die Bühne des frühen Mittelalters. Schon in der Merowingerzeit entwickelte sich Erbach zu einem wichtigen kirchlichen Zentrum und wurde Sitz einer „Urpfarrei“ – ein Zeichen seiner damaligen regionalen Bedeutung.

Die schriftliche Geschichte Erbachs beginnt im Jahr 1083, als ein „Fridericus de Helribach“ als Zeuge in einer Gründungsurkunde des Klosters St. Georgen erwähnt wird. Man nimmt an, dass dieser Fridericus aus dem heutigen Erbach an der Donau stammte und somit eine der ersten namentlich bekannten Persönlichkeiten aus unserer Stadt ist.

Die genaue Beschreibung der Herrschaftsverhältnisse wird jedoch erst Jahrhunderte später detaillierter. Das Spätmittelalter und die frühe Neuzeit waren geprägt von einem häufigen Wechsel der Herrschaft – eine Zeit des Umbruchs und der Neuausrichtung. Im Jahr 1492 gelangten Teile der Herrschaft in den Besitz der mächtigen Habsburger. Da diese bereits 1343/48 weitere Rechte über Erbach erworben hatten, beanspruchten die Österreicher nach 1492 die Landeshoheit über Erbach und vergaben diese in der Folgezeit als Pfandschaft und Lehen.

Von Patriziern und Freiherren: Das Schloss als Herzstück Erbachs

Ein entscheidender Wendepunkt in Erbachs Geschichte war das Jahr 1532, als der wohlhabende Augsburger Patrizier Hans von Baumgarten die Herrschaft erwarb. Er traf eine mutige Entscheidung: Im Jahr 1549 ordnete er den Abbruch der alten Burg an und legte den Grundstein für das prächtige Schloss, das bis heute das Bild Erbachs prägt. Die Fertigstellung des Neubaus erfolgte um 1563.

Seit 1620 ist das Schloss Erbach untrennbar mit der Familie von Ulm verbunden. Sie übernahm in diesem Jahr den Besitz und führt seitdem ohne Unterbrechung die Herrschaft, weshalb sie sich bis heute als Freiherren von Ulm-Erbach bezeichnen. Diese Familie prägte und prägt die Entwicklung des Ortes maßgeblich.

Doch auch Erbach blieb von den Wirren der europäischen Geschichte nicht verschont. Im verheerenden Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurden sowohl das Schloss als auch das Dorf von den schwedischen Truppen geplündert, was tiefe Spuren hinterließ. Nur wenige Jahrzehnte später wurde die Gegend um Erbach während der Napoleonischen Kriege im Jahr 1800 erneut zum Kriegsschauplatz.

Ein weiterer entscheidender Schritt folgte im Jahr 1810: Erbach fiel an das aufstrebende Königreich Württemberg und wurde Teil des Oberamtes Ehingen. Dies markierte das Ende der eigenständigen Herrschaft Erbach und die Integration in ein größeres Staatsgebilde.

Vom Dorf zur Stadt – Wandel, Wachstum und Lebensqualität

Ab dem späten 19. Jahrhundert veränderte die Industrialisierung auch das Wirtschaftsleben in Erbach. Neben dem Ackerbau kam auch die Industrie ins Spiel. Ziegelbrennereien und Mühlen sorgten für Aufschwung – besonders bekannt wurde die 1880 gegründete Schreinerei von Xaver Ochs, die sein Schwiegersohn Heinrich Hammer um 1900 in eine erfolgreiche Skifabrik verwandelte, wo der bekannte "Erbacher Ski" gefertigt wurde.

Mit dem Zustrom vieler Vertriebener nach dem zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl Erbachs deutlich. Während die Landwirtschaft weiter an Bedeutung verlor, wuchs die Bedeutung von Gewerbe und Industrie boomartig – heute arbeiten viele in Erbach oder pendeln in die umliegenden Städte.

Mit der Gemeinde- und Kreisreform Anfang der 1970er Jahre entstand eine völlig neue Gemeindestruktur. 1972 wurde zunächst Ringingen nach Erbach eingemeindet, wenig später folgten Bach, Dellmensingen, Donaurieden und Ersingen (1974). Mit der Eingliederung in den Alb‑Donau‑Kreis (1973) entwickelte sich Erbach zu einem dynamischen Unterzentrum zwischen Ulm und Ehingen – mit hoher Lebensqualität und attraktiver Infrastruktur.

Aufgrund der positiven Entwicklung erhielt Erbach am 1. August 2002 offiziell den Status „Stadt“ – die Landesregierung würdigte Erbach als „äußerst vitalen und attraktiven Ort, in dem es sich gut leben und arbeiten lässt.“. Heute ist Erbach die viertgrößte Stadt im Alb-Donau-Kreis.